Textauszüge Palliativmedizin (Textlängen 7.500 Zeichen)

Palliativmedizin an der Belastungsgrenze

Immer mehr Deutsche nutzen die palliativmedizinische Versorgung. Um einer Überlastung der Einrichtungen entgegenzuwirken, sollte auf politischer Ebene gehandelt werden.

Palliativmedizin © Jeanette Dietl

Erst 1983 eröffnete Deutschlands erste Palliativstation. Seither entstanden zwar viele Einrichtungen der Hospiz- und Palliativversorgung, doch Experten zufolge wäre eine bessere Finanzierung wünschenswert. Um dem demographischen Wandel und steigenden Zahlen Schwerstkranker zu begegnen, ist die Politik gefordert.

Wer seinen sterbenskranken Angehörigen auf der Palliativstation besucht, begegnet vielen Eindrücken. Es herrscht eine würdevolle Ruhe und die Räumlichkeiten sind freundlich gestaltet. Auch Ärzte und Pflegekräfte überzeugen durch Fachwissen und Einfühlvermögen. Die technische und medikamentöse Versorgung ist beispielhaft.

Barbara Peters (Name geändert) war beruhigt, den geliebten Menschen in professionellen Händen und gut versorgt zu wissen. „Ich war erleichtert, meinen sterbenskranken Mann gut aufgehoben zu sehen“, so die Anfang Vierzig-Jährige , die ihren Partner an Krebs verlor. „Die professionelle Unterstützung erfuhr allerdings nicht nur mein Mann. Auch mir und der Familie wurde durch Gespräche und Ratschläge einiges an Last genommen.“ […].

Positive Entwicklung der Palliativmedizin
[…] Für einen flächendeckenden und qualitativ hochwertigen Ausbau der palliativen Versorgung sprechen sich auch Politik und die Bundesärztekammer aus. […].


 

 


Palliativmedizin – Alternative Therapieformen

Wer im Alter oder nach Erkrankungen palliativ betreut wird, kann neben der schulmedizinischen auch komplementäre Therapieformen wählen. So entscheiden sich Betroffene häufig für alternative, sanfte Behandlungen, die zur Linderung ihrer Beschwerden beitragen können. […]

Beschwerden handhaben mit komplementären Therapien
In der Palliativmedizin wird die jeweilige Therapie im Wesentlichen am Sterbenskranken ausgerichtet, der Patient steht im Mittelpunkt. Unabhängig davon, ob die letzte Lebensphase aufgrund des hohen Alters des Patienten oder durch ein Erkrankung wie Krebs eintritt. Zu den häufigsten Beschwerden gehören Erschöpfung, Übelkeit und Erbrechen, Entzündungen der Mundschleimhaut, Mundtrockenheit, Gewichtsverlust und Schmerzen.

Eine mit einem Facharzt abgesprochene Kombination schulmedizinischer und komplementärer Behandlungsformen kann sinnvoll sein. Im Folgenden sind einige komplementäre Therapieformen dargestellt. Da Risiken und Nebenwirkungen nicht auszuschließen sind, ist die Rücksprache mit dem behandelnden Arzt anzuraten.

  • Traditionelle Chinesische Medizin (TCM). Die Akupunktur, ein Teilgebiet der TCM, hilft gegen Schmerzen, Schlafstörungen oder Übelkeit und Erbrechen. Auch QiGong, Tai Chi oder Akupressur verbessern abhängig vom Zustand des Sterbenden die Lebensqualität.
  • Einige Heilpflanzen wirken sich positiv auf entzündete Mundschleimhäute aus, regen den Appetit an oder helfen gegen Schwäche, Übelkeit, Erbrechen, Schlafstörungen, Depressionen. Andere wiederum schwächen die Wirkung von Antikrebsmedikamenten und sind risikoreich, beispielsweise Johanniskraut.
  • Die Infusion von Mistelpräparaten wird häufig als Krebsmittel eingesetzt, obwohl eine gegen den Krebs gerichtete Wirkung noch nicht ausreichend belegt ist. Die Therapie ist jedoch gut verträglich und kann krebsbedingte Schmerzen reduzieren, die Stimmungslage und das Allgemeinbefinden bessern.
  • Nahrungsergänzungsmittel. Vitamine oder Mineralstoffe nutzen einerseits, richten andererseits auch Schaden an. Selen beispielsweise hilft gegen entzündete Mundschleimhäuten, Zink gegen Wunden und Fluor gegen Zahnkaries. Hochdosiertes Selen hingegen steht unter Verdacht, das Risiko für Krebs zu erhöhen. Auch bei Vitaminen ist Vorsicht geboten. Hochdosiertes Vitamin C beispielsweise kann sich negativ auf Krebstherapien auswirken und die Lebenserwartung verkürzen.
  • Homöopathie. Diese Therapie nach Samuel Hahnemann erfährt insbesondere in der Schmerztherapie zunehmend an Akzeptanz. Eine Heilung gemäß Hahnemann ist allerdings unmöglich.
  • Zur körperlichen und geistigen Stärkung helfen ayurvedische Behandlungen, beispielsweise Ölmassagen, Ernährung oder Kräuterpräparate.
  • Ätherische Öle dienen als Duftstoffe, werden auf die Haut aufgetragen oder über Inhalation aufgenommen. Sie stimulieren die olfaktorische Wahrnehmung und wirken beruhigend.
  • Bewegung hilft gegen Erschöpfung, Appetitmangel, Muskelabbau, Depression oder Antriebsarmut. Die Therapie bei Krebspatienten sollte je nach Krebsart mit einer richtigen Ernährung kombiniert werden (Magen-Darm-Krebs) oder nicht durchgeführt werden (während Strahlen- oder Chemotherapie operierter gynäkologische Tumoren).
  • Lachen als Therapie kann Kraftreserven öffnen, emotionale und geistige Fähigkeiten fördern und möglicherweise Schmerzen verringern. Auch ohne wissenschaftlich untermauerten Beweise ist Humor auch in der palliativen Phase sehr gesund.
  • Kunst- und Musiktherapie. Kreativität beruhigt Ängste und Emotionen. Auch Musik, insbesondere die Lieblingsmusik, wird von Sterbenden sehr lange wahrgenommen und verbessert den seelischen Zustand.
  • Ergo- und Logotherapie. Logopädische Übungen helfen gegen Schluckstörungen, einem veränderten Schmecksinn oder Mangelernährung. Mithilfe der Ergotherapie können geistige und motorische Reserven gefördert werden.
  • Berührungstherapie. Streicheln der Haut, regelmäßige Veränderung der Körperlage, Massagen oder Gegenstände in den Händen der Patienten fördern das Wohlbefinden des Sterbenden.

Vorsicht geboten
Gelegentlich werden alternative Therapien oder Präparate angeboten, die eine Heilung oder eine drastische Besserung fortgeschrittener Erkrankungen versprechen. Wird zudem die schulmedizinische Behandlung als wenig wirksam dargestellt und von ihr abgeraten, ist Vorsicht geboten. Lassen Sie sich von Ihrem Facharzt beraten und holen Sie sich gegebenenfalls den Rat eines zweiten Facharztes ein, wenn Sie sich komplementär behandeln lassen möchten. […].