Zielgerichtete Therapien 

Textauszug (11.000 Zeichen, Stand 2016)

[…] Neben Chemo- und Antihormontherapien spielen in der medikamentösen Brustkrebsbehandlung zielgerichtete Therapien eine wichtige Rolle. Namensgebend für diese Therapieform sind Wirkstoffe, die zielgenau pathogene molekulare Vorgänge in Krebszellen blockieren und unkontrolliertes Wachstum hemmen. Verschiedene Wirkstoffe sollen die Heilungschancen beim frühen Brustkrebs verbessern und die Überlebenszeiten bei der metastasierten Erkrankung verlängern. Allerdings sind auch zielgerichtete Therapien nicht ohne Nebenwirkungen. […]

Wachstumsstrategien stoppen
[…] Als zelluläre Ziele konnten verschiedene Proteine ausfindig gemacht werden. Zu den interessantesten gehören HER2-Rezeptoren, Tyrosinkinasen (Kinasen von HER2-Rezeptoren) sowie mTOR („mammalian target of rapamycin“) oder VEGF („vascular endothelial growth factor“). Während mTOR im Zellinneren das Überleben über viele Wege sichert, aktiviert VEGF außerhalb Blutgefäßzellen zur Neoangiogenese. Wird eines dieser Proteine gezielt gehemmt, so werden die Überlebensmechanismen und Wachstumsstrategien der Krebszellen abgebremst.

Sechs Wirkstoffe zugelassen
In Deutschland wurde als erster zielgerichteter Wirkstoff in der Brustkrebstherapie Trastuzumab (Markenname: Herceptin®) in 2007 zugelassen. Mittlerweile existieren fünf weitere zugelassene Wirkstoffe: Pertuzumab (Markenname Perjeta®), Lapatinib (Markenname Tyverb®), Everolimus (Markenname Afinitor®), Bevacizumab (Markenname Avastin®) sowieT-DM1 (Markenname: Kadcyla®), eine Kombination aus Trastuzumab und Chemotherapie. […]

Einzeltherapie oder kombiniert mit Chemotherapie?
Während Trastuzumab sowohl im frühen als auch im fortgeschrittenen Erkrankungsstadium zugelassen ist und im klinischen Alltag genutzt werden kann, sind Pertuzumab, Lapatinib, Everolimus, Bevacizumab und T-DM1 zur Behandlung des fortgeschrittenen metastasierten Stadiums zugelassen.

Meist werden zielgerichtete Therapien in Kombination mit einer Chemo- oder Antihormontherapie verabreicht. Das frühe Mammakarzinom mit HER2-positiven Krebszellen wird standardmäßig mit einer Kombination aus Chemotherapie und Trastuzumab behandelt.

In der Einzeltherapie kommt Trastuzumab in der Behandlung von metastasiertem Brustkrebs infrage. Auch T-DM1 kann einzeln genutzt werden, wenn der Brustkrebs zuvor mit Trastuzumab und einer Taxan-haltigen Chemotherapie behandelt wurde.

Es gibt zudem Behandlungsformen, bei denen zwei zielgerichtete Substanzen kombiniert werden, beispielsweise Trastuzumab plus Lapatinib bei der metastasierten Erkrankung.

Mediziner treffen die Wahl der Medikamente in Abhängigkeit vieler Faktoren. Neben dem Stadium der Erkrankung, dem jeweiligen molekularen Subtyp der Krebszellen und der Tumorgröße, können beispielsweise das Alter der Patientin, der allgemeine Gesundheitszustand, das Ansprechen auf vorherige Therapien oder zu erwartende Nebenwirkungen die Wahl der Therapie bestimmen. […]

Nebenwirkungen nicht unerheblich
Obwohl zielgerichtete Therapien überwiegend die Zellvorgänge von Krebszellen ansteuern, beeinflussen sie ebenfalls gesunde Zellen . Nebenwirkungen können Übelkeit, Erbrechen und Verdauungsbeschwerden sowie Entzündungen der Mundschleimhäute und Haut sein. Erschöpfungszustände („Fatigue“), Bluthochdruck, Blutgerinnsel oder Herzinsuffizienz nicht auszuschließen. […]

Quellen

  • Harbeck, N. Zielgerichtete Therapien beim Mammakarzinom. Schattauer Verlag, 2015
  • Tumorzentrum München, Bauerfeind I. Manual Mammakarzinome: Empfehlungen, Diagnostik, Therapie und Nachsorge. W. Zuckerschwerdt Verlag, 2015
  • Deutsche Krebsgesellschaft e.V. (DKG) Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG). Interdisziplinäre S3-Leitlinie für die Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms. Stand 2012
  • Overkamp F. Herausforderungen zielgerichteter Substanzen an die onkologische Supportivtherapie. Onkologe 2015;297–304
  • Michel C, Neubauer A, Burchert A. Kinasen als Ziele molekularer Tumortherapie. Onkologe 2016;22:40–49
  • American Cancer Society. www.cancer.org (Zugegriffen: 02.03.2016)